DIENSTAG -  22.03.2011
Jelich: „Wir sind gut gerüstet für die Zukunft“
Bayer investiert rund 95 Millionen Euro in den Standort Wuppertal

Baufortschritt des Technikums Zellbiologie im Werk an der Wupper.
Bayer will seine Investitionen am Pharma-Standort Wuppertal in diesem Jahr deutlich erhöhen. „Wuppertal ist und bleibt auch in Zukunft eine wichtige Säule von Bayer HealthCare“, sagte Standortleiter Dr. Klaus Jelich am Dienstagabend vor Journalisten. Dies gelte sowohl für das Forschungszentrum am Aprather Weg als auch für das Werk an der Wupper. Im vergangenen Jahr wurden rund 83 Millionen Euro für Sachanlagen und Instandhaltung ausgegeben. 2011 will das Unternehmen rund 95 Millionen Euro in Wuppertal investieren, davon entfallen circa 44 Millionen auf neue Forschungs- und Produktionsanlagen.

„Mit den aktuellen Investitionen, wie dem Bau des Technikums Zellbiologie und eines Laborgebäudes für die Qualitätskontrolle, rüsten wir uns für die herausfordernden Aufgaben in der Zukunft“, so Jelich. Im Technikum Zellbiologie sollen künftig neue biologische Wirkstoffe für den Einsatz in klinischen Studien hergestellt werden.

Fünf der zehn umsatzstärksten Pharmaprodukte aus Wuppertal

Darüber hinaus baut Bayer an der Wupper Produktionskapazitäten für Rivaroxaban – den Wirkstoff von Xarelto® – aus, um die erwartete steigende Nachfrage nach dem oralen Gerinnungshemmer bedienen zu können. Das innovative Herz-Kreislauf-Präparat ist seit 2008 zur Thromboseprophylaxe nach Knie- und Hüftgelenksersatz-operationen zugelassen und wird bereits in 75 Ländern erfolgreich vermarktet. Im Januar dieses Jahres folgten weitere Zulassungsanträge zur Schlaganfall-Prävention bei Patienten mit Vorhofflimmern in der EU und den USA sowie zusätzlich zur Behandlung und Sekundär-Prophylaxe tiefer Venenthrombosen in der EU. Das jährliche Spitzenumsatzpotenzial für Xarelto® wird auf über 2 Milliarden Euro geschätzt.

Fünf der zehn umsatzstärksten Bayer-Pharmaprodukte kommen aus Wuppertal. Hierzu zählen Nexavar®, ein orales Medikament zur Behandlung von fortgeschrittenem Nieren- und Leberkrebs, der Blutdrucksenker Adalat®, das Antibiotikum Avalox®, Levitra® zur Behandlung der erektilen Dysfunktion und das Diabetesmedikament Glucobay®.

Schlüssel zum Erfolg: Integrierte Forschungsplattform

Der Standort Wuppertal verfügt über jahrzehntelange Expertise auf dem Gebiet der Erforschung, Entwicklung und Produktion von chemischen und biologischen Wirkstoffen. Die integrierte Forschungsplattform umfasst alle Schritte von der frühen Forschung bis zur ersten Phase der klinischen Entwicklung. Im Mittelpunkt der Wirkstofffindung steht die Medizinische Chemie. „Gemeinsam mit anderen Forschungseinheiten suchen die Mitarbeiter hier die für einen neuen Wirkstoff bestgeeignete Molekülstruktur, um eine optimale pharmazeutische Wirkung zu erzielen“, erläuterte Prof. Dr. Hanno Wild, Leiter des Forschungsbereichs Leitstruktur-Generierung und -Optimierung.

Neue Entwicklung: Verbindung von Chemie und Biologie

Im Bereich der Biologika-Forschung werden die Aktivitäten seit 2008 verstärkt ausgebaut. So arbeiten Wuppertaler Forscher derzeit an einer Reihe innovativer Biologika-Wirkstoffe. Dazu zählen unter anderem sogenannte Antikörper-Konjugate. Bei diesen innovativen Wirkstoffen zur gezielten Behandlung von Krebserkrankungen ist ein Chemotherapeutikum an einen spezifischen Antikörper gekoppelt, der dieses gezielt zur Krebszelle befördert und dort wirken lässt. „Wirksame und sichere Antikörper-Konjugate zu entwickeln, ist eine große Herausforderung. Die enge Zusammenarbeit zwischen Biologen und Chemikern aus Forschung und Entwicklung ist eine besondere Stärke des Unternehmens und des Standortes“, betont Wild.

Die Arzneimittel-Entwicklungspipeline ist derzeit mit 46 innovativen Projekten in den klinischen Phasen I bis III gut gefüllt. In den vergangenen zwei Jahren ist es gelungen, vielversprechende Wirkstoffe in die späteren klinischen Phasen zu bringen – wie zum Beispiel Riociguat zur Behandlung von Lungenhochdruck und Florbetaben zur Erkennung von Eiweißablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET).

Wichtiger Arbeitgeber in der Region

Bayer HealthCare zählt zu den großen Arbeitgebern im Bergischen Land. Insgesamt sind am Standort rund 2.600 Mitarbeiter beschäftigt. Davon arbeiten circa 1.400 im Forschungszentrum am Aprather Weg und etwa 1.200 im Werk an der Wupper (Stand 31. Dezember 2010).

Auch die Ausbildung spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Insgesamt 154 Jugendliche werden derzeit in naturwissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Berufen am Standort ausgebildet. 82 Neueinstellungen gab es im vergangenen Jahr. Davon erhielten sieben Jugendliche im Rahmen der Ausbildungsinitiative Rheinland – einer Kooperation mit Partnerunternehmen aus der Region – einen Ausbildungsplatz. Im Starthilfeprogramm werden 18 junge Leute auf eine Lehrstelle vorbereitet.

Förderung von sozialem und gesellschaftlichem Engagement

Das soziale und gesellschaftliche Engagement hat ebenfalls einen hohen Stellenwert für das Unternehmen. Mit der „Bayer Science & Education Foundation“ fördert Bayer die Wissenschaft sowie die schulische und wissenschaftliche Ausbildung mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Medizin und Technik. Seit dem Start des Programms 2007 erhielten 19 Bildungseinrichtungen im Einzugsgebiet von Wuppertal insgesamt rund 234.000 Euro Fördergelder.

Die „Bayer Cares Foundation“ fördert ehrenamtliche Projekte, welche die Lebensumstände an den Bayer-Standorten nachhaltig verbessern und zur Lösung sozialer Aufgaben beitragen. Seit 2007 unterstützte die Stiftung 13 Wuppertaler Ehrenamtsprojekte mit insgesamt rund 36.000 Euro.

Unabhängig vom Stiftungsprogramm führt Bayer HealthCare in Wuppertal das Schülerlabor Baylab health fort. Hier experimentieren jährlich rund 3.000 Kinder und Jugendliche aus der Region unter qualifizierter Anleitung und erhalten Einblicke in die Welt der Wissenschaft. Das Baylab health war das erste Schülerlabor im Bayer-Konzern, es existiert in Wuppertal seit 1998. Nicht zuletzt aufgrund seines großen Erfolgs diente es als Keimzelle für weitere Baylabs an anderen Standorten. 2010 erhielt der Bayer-Konzern für die Baylab-Initiative den NRW-Unternehmenspreis.

Förderung von Kultur

„Unser Engagement für die Gesellschaft konzentriert sich aber nicht nur auf die Nachwuchsförderung“, sagte Standortleiter Jelich. Ein weiterer Eckpfeiler ist die Förderung von Kultur, der sich das Unternehmen seit langem auch am Standort Wuppertal verbunden fühlt. Als Beispiele nannte Jelich den traditionellen Klavierzyklus sowie die jährlichen Weihnachtskonzerte des Bayer-Männerchors in der Historischen Stadthalle.