MONTAG -  23.05.2011
Spitzenforschung in Naturwissenschaften und Medizin:
Bundespräsident Wulff besucht Träger des Deutschen Zukunftspreises bei Bayer in Wuppertal
Neuer Blut-Gerinnungshemmer Rivaroxaban ein Beispiel für deutsche Spitzentechnologie

Bundespräsident Christian Wulff informiert sich bei den Trägern des Deutschen Zukunftspreises über die Weiterentwicklung des preisgekrönten Wirkstoffs Rivaroxaban (v.l.): Bayer-Forscher Dr. Frank Misselwitz, Bayer-Forscherin Dr. Dagmar Kubitza, Bayer-Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Dekkers, Bundespräsident Christian Wulff, Bayer-Laborleiter Dr. Alexander Straub, Bayer-Forscherin Dr. Elisabeth Perzborn.
Die Bayer-Wissenschaftler Dr. Frank Misselwitz, Dr. Elisabeth Perzborn und Dr. Dagmar Kubitza wurden im Dezember 2009 mit dem Deutschen Zukunftspreis, dem Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation, ausge¬zeichnet. Sie erhielten den Preis für die Entwicklung des neuen Blut-Gerinnungshemmers Rivaroxaban (Markenname Xarelto®). Der Bundespräsident informierte sich heute bei den Preisträgern des Jahres 2009 in Wuppertal über die weitere Entwicklung des ausgezeich¬neten Medikaments und die Pharmaforschung bei Bayer.

Bundespräsident Christian Wulff wurde von den Preisträgern sowie dem Bayer-Vor-standsvorsitzenden Dr. Marijn Dekkers, dem Forschungsvorstand Dr. Wolfgang Plischke und dem Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, Peter Jung, im Bayer-Forschungs¬zentrum in Wuppertal-Aprath begrüßt, in dem schon zahlreiche bahnbre¬chende Medika¬mente entdeckt und entwickelt wurden. Bayer investierte im vergangenen Jahr rund 3,1 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, davon mehr als zwei Milliarden im Gesundheitsbereich. Im Bayer Pharma-Forschungszentrum Wuppertal sind mehr als 1.300 Mitarbeiter beschäftigt.

Nach seinem Rundgang sagte der Bundespräsident: „Es war sehr beeindruckend, die Gewinner des Zukunftspreises an ihrer Forschungsstätte zu besuchen. Mit der Entwicklung von Xarelto ist dem Unternehmen eine lebensrettende Erfindung gelungen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Bayer mit seinen Innovationen auch uns als Land profiliert.“

Während des knapp zweistündigen Aufenthalts in Wuppertal ging es vor allem um die Förderung der Innovationsbereitschaft und die Sicherung der Zukunftsfähigkeit in Deutschland. „Innovationen sind weltweit der Schlüssel zu Wachstum, Wohlstand und einer besseren Zukunft − bei Bayer haben Forschung und Entwicklung deshalb schon immer eine Sonderstellung“, sagte Dekkers. „Die Verantwortung für ein innovations¬freundliches Umfeld tragen Politik, Unternehmen und Medien. Dabei gilt es, Chancen und Risiken klar zu benennen – und Anerkennungen für Innovationen wie den Deutschen Zukunftspreis zu gewährleisten“, so Dekkers weiter.

Die drei Bayer-Forscher haben zusammen mit ihren Teams und zahlreichen Wissen¬schaftlern verschiedenster Disziplinen einen neuen Wirkstoff zur Prophylaxe und Behand¬lung von Thromboembolien entwickelt: Rivaroxaban. Thromboembolische Erkrankungen betreffen Jahr für Jahr Millionen von Menschen – oftmals mit tödlichem Ausgang. In der westlichen Welt sterben mehr als doppelt so viele Menschen an Thrombosen wie an Brustkrebs, Prostatakrebs, HIV/AIDS und Verkehrsunfällen zusammen.

Die Bayer-Forscher haben auch bei der Verwendung des Preisgelds in Höhe von 250.000 Euro Kreativität bewiesen und das Preisgeld der Bayer Science & Education Foundation gestiftet. Die Bayer AG hat das Kapital auf 500.000 Euro verdoppelt, so dass ein neuer Forschungspreis – dotiert mit 30.000 Euro – dauerhaft alle zwei Jahre verliehen werden kann. Junge Wissenschaftler auf dem Gebiet der Grundlagen- und klinischen Forschung zur Diagnose, Prävention und Therapie thromboembolischer Erkrankungen inklusive der Epidemiologie und gesundheitspolitischer Interventionsansätze werden damit gefördert.

Rivaroxaban zeichnet sich durch einen neuartigen Wirkmechanismus aus: Der Wirkstoff greift selektiv in den Prozess der Blutgerinnung ein und hemmt in der körpereigenen Blutgerinnungskaskade die Aktivität des Enzyms Faktor Xa, das zur Entstehung von Thrombosen beiträgt. Gegenüber den bisherigen Standardtherapien bietet die Neuent¬wicklung wesentliche Vorteile für Patienten und Ärzte: Rivaroxaban wird als Tablette verabreicht – es muss keine Spritze gegeben werden wie bei derzeitigen Standard¬therapien üblich. Die bisher erforderliche regelmäßige Kontrolle des Blutbildes entfällt ebenso wie die Anpassung der Dosis an Alter, Körpergewicht und Geschlecht des Patienten.


Über Rivaroxaban
Rivaroxaban ist ein als Tablette einzunehmender Gerinnungshemmer. Der Wirkstoff wurde in den Bayer-Laboratorien in Wuppertal erfunden und wird gemeinsam von Bayer HealthCare und Johnson & Johnson entwickelt. In klinischen Studien hat Rivaroxaban einen raschen Wirkungseintritt mit klarer Dosis-Wirkungsbeziehung sowie eine gute Bioverfügbarkeit gezeigt. Eine Gerinnungsüberwachung ist nicht notwendig, und es bestehen nur wenige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nahrungs¬mitteln. Rivaroxaban ist unter dem Markennamen Xarelto® zur Prophylaxe von venösen Thromboembolien (VTE) bei erwachsenen Patienten nach elektiven (geplanten) Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operationen in mehr als 100 Ländern weltweit zugelassen. Xarelto® ist der einzige Gerinnungshemmer der neuen Generation, der in Studien in dieser Indikation übereinstimmend eine überlegene Wirksamkeit gegenüber Enoxaparin zeigen konnte.

Aufgrund des umfangreichen klinischen Studienprogramms ist Rivaroxaban der zurzeit am intensivsten erforschte orale, direkte Faktor-Xa-Inhibitor weltweit. Mehr als 65.000 Patienten nehmen an dem klinischen Entwicklungsprogramm für Rivaroxaban teil, in dem das Potenzial dieses Präparats in der Prävention und Therapie eines breiten Spektrums akuter und chronischer thromboembolischer Erkrankungen untersucht werden soll. Dazu gehören unter anderem Behandlung der VTE und die Sekundärprävention des akuten Koronarsyndroms.